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Jun 30 2016

Central Intelligence (50%) – Kritik

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Infantil, pubertär, schwachsinnig… für nicht wenige kündigten die Trailer und Werbeclips zur Actioncomedy „Central Intelligence“ ein absolutes Desaster an. Und in der Tat, im Vergleich zu Shane Blacks ebenfalls im Kinosommer 2016 angelaufener Buddycomedy „The Nice Guys“ wirkt das von Rawson Marshall Thurber inszenierte Spaßbonbon über den gutmütigen riesigen Geheimagenten und den Sidekick wider Willen nur wie ein lauer Aufguss der alten Buddy-Movie Formel: Ein Vorwurf, der durchaus angebracht ist, und gerade im Vergleich zur Konkurrenz die gröbsten Unterschiede macht. Allerdings weiß jeder Fachmann, dass es gerade in diesem Genre hauptsächlich auf zwei Qualitäten ankommt – spritzige Drehbuchautoren mit ausreichend vielen zündenden Gag-Ideen und zwei Hauptdarsteller (Buddys), zwischen denen die Chemie stimmt. Und zumindest der letztere Punkt weiß absolut zu überzeugen und ist ausschlaggebend dafür, dass die ganz großen Befürchtungen unberechtigt bleiben.

Gegensätzliche Protagonisten sind fast so alt wie das Medium Film selbst. Und dennoch ist es bis heute gar nicht so einfach, die Kontraste zweier unterschiedlicher Hauptfiguren gekonnt auszuspielen. Thurber hat da glücklicherweise kaum Schwierigkeiten und genau die beiden richtigen Darsteller an Bord, um diese Stärke sehr zentral platzieren zu können. Stand-Up Komiker Kevin Hart gibt dabei nicht nur optisch zum fast 2 Meter großem Dwayne „The Rock“ Johnson eine ulkige Figur ab, sondern spielt den vom Leben deprimierten und dennoch dauerquasselnd-überdrehten Buchmacher mit einer sichtlichen Freude am albern sein, lässt den sensibleren Tönen seines Charakters aber genügend Platz, um nicht gänzlich sämtliche „larger than life“-Faktoren zu erfüllen. Ganz im Gegensatz dazu steht Johnsons knüppelharter CIA-Agent, der in den Actionszenen natürlich eine hervorragende Figur macht, seine dort gezeigte Härte mit seiner Mimik jedoch einmal zu konterkarieren weiß.

Seine fast schon naiv-gutmütigen Hundeblicke und die häufig gezeigte kindliche Begeisterung für seinen unspektakulären Bestenfreund sorgen in der Regel für die besten Lacher des Films, ob dies über  absurde Filmanspielungen, Einhorn-T-Shirts oder Möchtegern-„coole“ Oneliner transportiert wird – trotzdem erhält auch er einen halbwegs ernsten Hintergrund, zeigt er doch als moderne Adaption des „Hässlichen Entlein“-Mythos zwischen durch immer wieder den verletzten übergewichtigen Jungen, der er in der 20 Jahre vorab angesiedelten (und fürchterlich schlecht getricksten) Eröffnungssequenz noch war und für den er aufgrund des damaligen Mobbings bis heute Scham empfindet. Selbstredend präsentiert Thurber das alles so subtil wie eine Dampflock und setzt auf Klischees und uralte Genrekonventionen, weiß im Mittelteil jedoch erstaunlicherweise Empathie und Mitgefühl zu wecken.

CENTRAL INTELLIGENCE

Ebenfalls glücklich fällt für die Qualität des Streifens aus, dass weniger die Situationskomik zwischen Profi-Agent und Zivilist ausschlaggebend für den Ton der Erzählung ist, sondern die Dynamik des Duos als solche im Vordergrund steht. Die beiden Protagonisten bestimmen Tempo und Atmosphäre im Kinosaal, was ihnen die nötigen Entfaltungsmöglichkeiten gibt, um wirklich wirkend Einfluss auf das Publikum zu nehmen. Besonderen Reiz entwickelt deren Beziehung stets in der nur bedingt aufgelösten Frage, wieso der liebevolle Riese Johnson ausgerechnet seinen einzigen Freund Hart mit einem Grinsen im Gesicht in die gefährliche Hetzjagd um Leben und Tod involviert. Diese Uneindeutigkeit vermag der Handlung den nötigen Pepp zu geben, welcher der Spionagegeschichte selbst allerdings völlig abgeht. Was die beiden erfahrenen Autoren Ike Barinholtz und David Stassen als Story präsentieren, läuft größtenteils nur zu offensichtlich unter dem Motto: „Irgendeinen Spannungsbogen braucht halt selbst dieser Film“. Das rund um Satellitencodes gestrickte Intermezzo bietet nicht nur üble Deus-Ex-Machina-Konstellationen am laufenden Band, sondern weißt mit einer Reihe an Verwirrspielen und Machtgerängen auch noch unnötige Verkomplizierungen auf, die der an sich kurzweiligen Nummer erschreckenden Leerlauf verpassen und mit ihren zahlreichen Nebensträngen (Landesverrat, Anti-Terror-Richtlinien) in weiten Teilen einfach überflüssig anmuten.

CENTRAL INTELLIGENCE

So bleibt das seichte Humorkonstrukt, bei welchem sich im üblichen Maße gelungene Lacher und Rohrkrepierer ausgleichen, leider auch gelungene Actionszenen vollständig schuldig. Ein paar kurze Fights mögen der nah an den Charakteren geführten Handkamera und des schnellen Schnitts wegen zumindest nicht allzu billig und hingeschludert wirken, wenn es dann jedoch mal eine Spur ausgefallener wird, zeigt Thurber lahmes Baller-Kino, dass man so schon unzählige Male gesehen hat und das fast immer besser. Bis auf einen tollkühnen Sprung aus einem Hochhaus (mit enttäuschender Auflösung) scheint die Regie für die Action keinerlei Ideen vorweisen zu können und verzichtet im Showdown dann absurderweise sogar fast gänzlich auf eine Steigerung, weshalb der Schluss beinahe antiklimaktisch unerwartet einsetzt. Witzig gemeint, aber nicht weniger unpassend sind die vielen Cameos, die regelrecht aufgezwungen wirken: Jason Bateman chargiert schrecklich wie schon lange nicht mehr, Melissa McCarthy und Aaron Paul wirken gelangweilt und unmotiviert und weshalb sich Thomas Kretschmann nun nach „Hitman: Agent 47“ und „Avengers: Age of Ultron“ erneut für den austauschbaren Gangster ohne Motivationen hergibt, bleibt wohl (s)ein Geheimnis. Immerhin weiß Amy Ryan („Birdman“) etwas mit ihrer spießigen Rolle anzufangen, sodass immerhin nicht der gesamte Nebencast als austauschbar verzeichnet werden muss.

Fazit: Langfristig in Erinnerung bleiben wird „Central Intelligence“ höchst wahrscheinlich niemandem, zu altbekannt und altbacken sind Geschehen und Konstellation, für den Moment weiß das zugegeben  unreife und nicht immer politisch korrekte Gespann aus Goliath und David allerdings vom Alltag abzulenken. Das ganze erweist sich in Detail und Ausführung als generischer Genreeinheitsbrei mit (greifender) Anti-Mobbing-Haltung und definiert sich ausnahmslos über „The Rock“ und Kevin Hart, die man für einen erfolgreichen Abend schon unbedingt mögen sollte. Wer zusätzlich zu seichten Buddy-Frotzeleien stilvolle Eigeninitivative erwartet, sollte wie bereits erwähnt lieber „The Nice Guys“ konsumieren, alle anderen dafür dankbar zur Kenntnis nehmen, dass neben Nachos, Softdrinks und Popcorn auch Bier im Kino angeboten wird.

– verfasst von Michael

Quelle/Filmdaten: http://www.imdb.com/

Bildnachweis: © 2016 Universal Pictures International

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