FERDINAND – Geht STIERisch ab! – Kritik

Bereits 1936 erblickte ein pazifistischer Stier namens Ferdinand in Form eines Kinderbuches das Licht der Welt und begeisterte viele Menschen auf der ganzen Welt. Zwei Jahre später adaptierte Disney das Buch und heimste sich für seinen Zeichentrick-Kurzfilm „Ferdinand, der Stier“ sogar einen Oscar ein. Jetzt, im Jahre 2017 versucht sich 20th Century Fox ebenfalls an der beliebten Kindergeschichte. Mit Erfolg?!

Der (unter anderem) spanische Stierkampf gilt nicht nur unter Tierschützern mittlerweile als eine sehr umstrittene Tradition, mit schätzungsweise 10.000 zum Vergnügen getöteten Stieren jährlich. Auch Ferdinand hadert im Film mit dieser Tradition, allerdings eher weil er allgemein sehr friedfertig ist. So kommt es, dass er noch als kleines Kalb von seinem Zuchthof flieht und ein friedliches Leben führt, bis er aufgrund eines kleinen versehentlichen Zwischenfalls, ausgelöst durch einen Bienenstich wieder darum kämpfen muss, nicht kämpfen zu müssen!

Und da sind wir auch schon beim ersten Problem. Der Film hat ein paar schöne Botschaften, ist aber vor allem bei der Stierkampf-Kritik absolut inkonsequent. Zwar sagt er irgendwie, dass das ja blöd ist, und deutet die schlimmen Hintergründe der Tierhetzjagd an, rudert dann aber im Verlauf des Filmes wieder zurück. Natürlich möchte man die konservativen Zuschauer aus den betroffenen Ländern nicht vergraulen, aber schade ist es allemal. Der Film steht für seine eigene Botschaft nicht gerade. Die Message, die auch schon das Buch hatte, wurde dahingegen umso besser umgesetzt. „Sei wie du bist, auch wenn du anders bist!“ und vor allem „Ermutige andere dazu, so zu sein, wie sie es eigentlich wollen!“ vermittelt der Film hervorragend und eben diese Einstellung macht die Geschichte damals wie heute so schön und ermutigend.

Diese sowohl negativen, als auch positiven Seiten einzelner Punkte ziehen sich so leider auch durch den gesamten Film:

  • Einige Figuren sind super geschrieben, andere bedienen viel zu klar zugewiesene Stereotypen und sind zu gewollt lustig. So sind bis auf ein paar Slapstickeinlagen kaum treffsichere Gags dabei.
  • Die Animationen sind zwar nicht auf Pixar Niveau und sehen teilweise ein wenig flach aus, sind aber alles in allem sehr gut gelungen. Doch dann kommt der Film mit dem überflüssigsten 3D daher, welches wahrscheinlich jemals bei einem Animationsfilm verwendet wurde.
  • Die deutsche Synchronisation ist teilweise richtig gut und andererseits wieder furchtbar mies. Wer kommt auf die Idee einen TV-Moderator als Synchronsprecher für eine Hauptrolle zu casten?! Das ist wirklich wirklich furchtbar. Dabei ließ der erste Trailer noch etwas ganz anderes erhoffen.
  • Die Musik fällt leider kaum auf, obwohl sie tatsächlich einen schönen Soundtrack vorzuweisen hat.

FAZIT: Alles in allem ein Film, der das Herz am rechten Fleck hat, sich aber nicht wirklich traut aufzustehen und was zu sagen. Trotzdem ist die Geschichte sehr schön und am Ende ist man doch irgendwie glücklich, wenn man aus dem Kino kommt. Und zumindest für Jung ist Ferdinand ein großer Spaß!

– verfasst v. Philipp B.

Bildnachweis: © 2000-2017 20th Century Fox

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