Ghostbusters (2016) – Heimkino-Kritik

Mit der Fantasy-Komödie „Ghostbusters“ hat Regisseur Ivan Reitman Anfang der 80er Jahre einen für die damalige Zeit überaus grandiosen und bis heute immer wieder gern gesehenen Kult-Film geschaffen. Auch wenn die Fortsetzung ein paar Jahre später insgesamt nicht mehr ganz mit dem berühmten Vorgänger mithalten konnte, gilt auch dieser bei Fans und Publikum als sehr unterhaltsam. Ein dritter Teil wäre daher die logische Folge gewesen, doch nach Teil 2 wurde es trotz mehrfacher Anläufe auf lange Sicht still um die geliebten, kultigen Geisterjäger, bestehend aus Bill Murray, Dan Aykroyd, Harold Ramis und Ernie Hudson.

Viele Jahre vergingen also, bis das Thema um einen weiteren „Ghostbusters“-Teil wieder aufgegriffen wurde, nur wurde den Produzenten nie so ganz klar, in welche Richtung man gehen wollte und möchte.

Nach einen ewigen Hin und Her innerhalb der Produktion, bei dem zahllose Drehbuchautoren und Regisseure involviert waren und wieder ausstiegen, hat man sich kurzerhand dazu entschieden, die Reihe neu und ohne direkten Bezug zu den Vorgängern aufleben zu lassen, so geschehen unter der Leitung von Paul Feig (Brautalarm, Taffe Mädels). Als dann auch noch die Meldung über weibliche Ghostbusters aufkam, entfachte das einen viralen Shitstorm, der es gewaltig in sich hatte, und besonders nach der Veröffentlichung des ersten Trailers kein Ende nahm.

Und ich gestehe: Ja, auch meine Wenigkeit hat damals in Folge der Hetzkampagne den Kinogang gemieden, weil ich die Entscheidung einfach nicht gut heißen konnte, in welche Richtung sich die Reihe entwickeln sollte. Und nein, ich habe natürlich nichts gegen das weibliche Geschlecht, um das schon einmal den üblichen Pauschalverurteilungen vorweg zu nehmen. Es ist einfach nur mehr als befremdlich, dass nach Murray und Co ein weibliches Team diesen Part übernimmt und so richtig mochte ich mich damit auch nicht anfreunden.

Wer mit den alten Filmen aufgewachsen ist, der wird so seine Probleme mit den neuen Ghostbusters haben, wenn man ihm denn überhaupt eine Chance gibt. Wirft man hingegen einen Blick auf die jüngere Generation, so würde es mich nicht wundern, wenn diese den Film mit ganz anderen Augen sieht und durchaus Gefallen daran findet.

Ich für meinen Teil bin nach der Sichtung allerdings mehr als zwiegespalten, hatte ich meine Erwartungen doch den ersten Eindrücken entsprechend heruntergeschraubt.

Die einstigen Freundinnen Erin Gilbert (Kristen Wiig) und Abby Yates (Melisssa McCarthy) treffen nach etlichen Jahren wieder aufeinander. Der Grund dafür ist ein Buch über paranormale Vorkommnisse, an dem beide gemeinsam geschrieben haben. Es kommt, wie es kommen muss: Ein plötzlicher Vorfall einer geisterhaften Erscheinung schweißt die mutigen und wissbegierigen Frauen zusammen. Dazu gesellen sich noch die Tüftlerin Jillian Holtzmann (Kate McKinnon) und die U-Bahnangestellte Patty (Leslie Jones). Wie es sich für diese neuen Geisterjäger gehört, brauchen auch diese eine Empfangsdame – oder besser gesagt: einen Empfangsmann, denn und man glaubt es kaum, diese (für meinen Geschmack mehr als peinliche) Rolle übernimmt im Reboot kein geringerer als Thor-Darsteller Chris Hemsworth. Nun liegt es an den cleveren Damen, den plötzlichen paranormalen Geschehnisse auf den Grund zu gehen und den eigentlichen Herd allen Übels ausfindig zu machen.

So sehr die Schauspielerinnen versuchen, ihren Rollen im Geiste der Originalfilme gerecht zu werden, fällt es mir dennoch umso schwerer, mich auf diese einzulassen. Das ist nicht unbedingt den –
allerdings doch etwas eindimensionalen – Darstellerinnen und ihrem Zusammenspiel geschuldet, sondern eindeutig im Kern ein Script-Problem. Teilweise ist das nämlich leider einfach nur Fremdschämen pur, was Feig und seine Autoren uns da vorsetzen. Für mich insbesondere liegt das unter anderem an dem äußerst oberflächlichem Fäkalhumor, für den ich mich nicht nur in diesem Film alles andere als begeistern kann. Auch die typischen, eher flachen Wortwitze, die man einem hier mehrfach serviert, schaffen es beim besten Willen nicht, mir ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern und ich würde mich alles andere als humorlos bezeichnen. Lediglich 2 Szenen haben es geschafft, mich wenigstens ein wenig zum Schmunzeln zu bringen (z.B. der Geisterdrache beim Konzert) und das ist meiner Meinung nach für eine Komödie und erst recht für einen Ghostbusters-Film einfach viel zu wenig. Was man bis auf wenige Ausnahmen allerdings immerhin geschafft hat, ist, der Titelmelodie treu zu bleiben, auch wenn diese hin und wieder mit HipHop/-Rapeinlagen modernisiert oder – in meinen Ohren – verstümmelt wird… Warum nur?

Leider schafft es der Film zu keinem Moment nur ansatzweise, den Charme der ersten beiden Filme aus den 80ern zu erreichen und das finde ich ehrlich gesagt traurig und schade. Man mag den Vergleich unfair finden, doch wenn man schon diesen Klassiker neu verfilmen muss, warum ist es verdammt nochmal notwendig, den Großteil der damaligen Schauspieler in mehr als überflüssige und fragwürdige Rollen zu quetschen, die sie einfach nicht verdient haben? Bill Murray und Dan Aykroyd werden in Cameo-Auftritten verhunzt, die wohl als liebevoller Fanservice gemeint sind, aber ständig nur daran erinnern, wie viel mehr Spaß in einem dritten Teil mit den beiden gehabt hätte.

Es hapert einfach an viel zu vielen Ecken und selbst bei der Ausarbeitung des Bösewichts, der in einem Ghostbusters Film elementar ist, scheitert man fast auf der gesamten Linie. Was man zwar geschafft hat und ja, dass kann man eigentlich auch erwarten, dass der Film neben den eher knalligen/poppigen Geistereffekten ziemlich düster ausgefallen ist, nur fehlt ihm unterm Strich auch hier der nötige Gruselfaktor. Hier wäre so viel mehr möglich gewesen, das Potential wird jedoch alles andere als ausgeschöpft, dabei war man bei der Erschaffung der Geister sogar richtig einfallsreich. Nachdem ich den Film lediglich in 2D gesehen habe, würde es mich nicht wundern, wenn er besonders für die 3D-Fans funktioniert, denn es gibt so einige Szenen, die gut zur Geltung kommen dürften. Zumindest werden diese schon bei der Sichtung selbst sichtlich hervorgehoben.

FAZIT: Wie würde ich den Film nun am Ende einordnen? Es kommt auf jeden Fall darauf an, ob man das Original kennt oder nicht, denn es führt kein Weg dran vorbei, das hier Vergleiche gezogen werden. Die ältere Generation wird ihn mehr oder weniger zerreißen, doch das etwas jüngere Publikum hingegen könnte mit einigen Abstrichen sogar gut unterhalten werden. Ob der Film aber wirklich notwendig gewesen ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Man kann ihn sich anschauen, muss aber nicht.

Quelle/Filmdaten: http://www.imdb.com/

Bildnachweis: © SONY Pictures Entertainment 2017

www.gewerbeversicherung.at