Dez 03 2015

Im Herzen der See (40%) – Kritik

Vorab sei schon mal gesagt, dass es sich hier nicht um die originale Geschichte von Moby Dick handelt, sondern um eine wahre Geschichte, die Herman Melville unter anderem als Vorlage und Inspiration für seinen Roman verwendete.

Dieser Film dreht sich nämlich um die Essex und ihren Untergang, mit kleiner, nicht allzu überraschender Vorgeschichte: Der Offizier Owen Chase hat schon so einige Walfänger voll beladen in den Hafen gebracht und soll nun endlich sein eigenes Schiff bekommen, auf dem er das Sagen hat. Angekommen bei den Großen der Branche muss er jedoch schnell erfahren, dass Blut dicker als Wasser ist und er unter dem Kommando des völlig unerfahrenen Kapitäns George Pollard als erster Offizier segeln soll. Dass die beiden sich nicht gut verstehen, kann man sich ja denken. Als dann aber noch ein großer weißer Wal (Moby Dick?!) auftaucht um das Boot entgültig zum Kentern zu bringen (man beachte das Wortspiel), gerät alles außer Kontrolle und man findet sich auf ein paar jämmerlichen Rettungsbooten  wieder. Ein Kampf ums Überleben entfacht und die Crew grenzt an den Rand des Menschenmöglichen.

Man hat natürlich hier und da ein paar kleine Details geändert, aber im Großen und Ganzen deckt sich der Film tatsächlich mit der wahren Geschichte der Essex, was ich schon mal sehr gut finde. Das war es aber auch schon fast, bis auf ein paar schöne Kameraperspektiven und moralischen Denkanstößen zu denen ich aber am Ende noch mal komme.

Denn ansonsten ist nicht nur der Untergang der Essex selbst eine Katastrophe, sondern auch ihre Inszenierung. Leider. Selbst meiner filmunerfahrenen Kinobegleitung sind extrem krasse Logiklücken aufgefallen, die sich nur durch die im Film veränderte Quelle der Geschichte ergeben. Man hat nämlich nicht das Tagebuch des 1.Offiziers Owen Chase als Quelle im Film, sondern einen jugendlichen Matrosen, der die Story knapp 50 Jahre später dem Schriftsteller erzählt.

Meinetwegen. Aber woher weiß dieser bitte von Gesprächen und Handlungen, bei denen er gar nicht  anwesend war?! Das nervt. Auch die Inszenierung ist nicht immer gelungen. Zwar gibt es ab und an mal coole Stellen aber insgesamt bleibt da ein eher maues Gefühl zurück. Wale springen aus dem Wasser wie Delfine, ein unerfahrener Kapitän argiert wie ein Kleinkind und ein untergehendes Schiff explodiert öfter als die Polizeikarren einer Staffel Alarm für Kobra 11 zusammen. Es ist viel zu viel CGI vorhanden, das Licht erinnert in vielen Szenen an ein Märchenfilm und die Effekte via Greensreen sind sofort erkennbar. Da wirkt das Meer mal eben als wäre es 10m² groß. Immerhin ist die Leistung der zumindest toll gewählten Darsteller solide, aber ich hätte mir von der Geschichte einiges mehr erhofft.

Was aber am Ende übrig bleibt, ist ein meiner Meinung nach gelungener Denkanstoß zum Thema Moral, Walfang, Konsum-bzw. Ausbeutungsverhalten und unser Position auf der Welt. Das hat mir gefallen und mich tatsächlich auch nachdenklich gemacht.

FAZIT: Alles in allem ist es aufgesetztes Popcornkino mit rational aneinander gereihten Szenen, und immerhin einer netten Message. Aber das 3D ist Müll…Und Thor’s Hammer hab ich auch nicht gesehen…Bin also eher enttäuscht von Ron Howards Umsetzung zu einer der interessantesten Vorgeschichten überhaupt.

Wertung: 40%

Review verfasst von Bum

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