Independence Day: Wiederkehr (60%) – Kritik

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„Er ist zurück! Denn der deutsche Regisseur Roland Emmerich möchte es ein weiteres Mal wissen und bringt, nach geschlagenen 20 Jahren, die Fortsetzung von „Independence Day“ (oder einfach nur ID4) aus dem Jahr 1996 auf die große Leinwand. Wenn jemand weiß, wie ein solches Weltuntergangs-Szenario am besten zur Geltung kommt, dann ist es Emmerich oder wie ihn einige gerne nennen, der „Master of Desaster“, denn was hier abgeliefert wird, sprengt mal wieder den Rahmen. Der Regisseur versteht es einfach, solche Katastrophen bestmöglich umzusetzen, erst recht, wenn man ihm hierfür ein Budget von beachtlichen $ 165 Mio. zur Verfügung stellt und wer ihn kennt, der kann sich ausmalen, wofür der Großteil davon verbraten wird, nämlich in erster Linie für die Effekte. Wer glaubte, unser geliebter blaue Planet sei schon eindrucksvoll genug von ihm dem Erdboden gleich gemacht worden, sei es in „The Day after Tomorrow“ oder „2012“, der wird in „Independence Day: Wiederkehr“ eines besseren belehrt, so legt man vorallem visuell eine ordentliche Schippe drauf und wer einen Blick auf den ein oder anderen Trailer geworfen hat, weiß ganz genau, was ihn erwartet.

„Ganze 20 Jahre sind bereits ins Land gezogen, als die Menschheit es mit einer außerirdischen Spezies aufnehmen musste und das Schlimmste gerade noch verhindert werden konnte. Nach und nach wurden die durch den Angriff zerstörten Städte neu aufgebaut. Auch hat man es sich zur Aufgabe gemacht, die außerirdische Technologie zu studieren und sich zu nutze zu machen, indem u.a. ein neues Verteidigungssystem entwickelt wurde. Man verpasste dem Militär ein ordentliches Upgrade, um gegen eine mögliche Rückkehr der Außerirdischen gewappnet zu sein. Wie soll es auch anders sein, steht der Menschheit bald ein weiterer Angriff bevor, der um einiges heftiger ausfallen wird, haben nicht nur die Menschen dazugelernt…

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Bei so mancher Fortsetzung kann man förmlich erahnen, was auf einen zukommt, ist es heutzutage ja gang und gäbe, den Vorgänger noch zu toppen und genau darauf hat es der Regisseur abgesehen. Hatten im 1.Teil die sog. Stadtzerstörer mit einem Durchmesser von 30 Kilometern schon eine stattliche Größe, fallen diese im Vergleich zum neuen Film fast schon winzig aus, misst alleine das Alien-Raumschiff gigantische 5000 Kilometer im Durchmesser. Mehr geht nun wirklich nicht, obwohl dem Regisseur einiges zuzutrauen ist. Immerhin hat dieser einen 3.Teil im Hinterkopf sofern die Einnahmen stimmen. Zu welchen Mitteln die Außerirdischen neben Ihren Alienjägern noch greifen, um die Erde entgültig platt zu machen, wird an dieser Stelle nicht verraten, denn ob das in Wirklichkeit überhaupt möglich ist, darüber sollte man sich dann lieber nicht den Kopf zerbrechen.

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Schon im Vorfeld ging es heiß her in der Frage, welche Figuren aus dem ersten Teil wieder in ihre gewohnten Rollen schlüpfen würden, doch das sich die Gespräche besonders mit Schauspieler Will Smith in seiner Rolle als Captain Steven Hiller so dermaßen in die Länge ziehen würden, hätte niemand gedacht. Trotz der Bemühungen, hat es am Ende nicht gereicht, ihn wieder für den Film zu gewinnen, angeblich scheiterte es an der geforderten Gage. Neben bekannten Gesichtern wie z.B. David Levinson, Ex-Präsident Thomas J. Whitmore oder der leicht durchgeknallte Dr. Brackish Okun ist es trotzdem ein ungewohntes Bild, dass dann ausgerechnet Ikone Will Smith fehlt. Am Ende muss ich aber dazu sagen, dass es mich doch nicht allzu sehr gestört hat, dass er nicht ein Teil des Films geworden ist, doch sieht genau das sicherlich jeder anders. Und was wäre eine Fortsetzung ohne neue Gesichter? Da hätten wir zum einen die Piloten Jake Morrison (Liam Hemsworth), Dylan Hiller (Jessie Usher) und die Asiatin Rain (Angelababy), Patricia Whitmore (Maika Monroe) oder General Adams (William Fichtner). Es gibt also reichlich Neuzugänge. Wobei hier aber eindeutig gesagt werden muss, dass die Produzenten die ein oder andere Figur ruhig hätten weggelassen können, hatte mancher in meinen Augen keine wirkliche Daseinsberechtigung und war eher nervig, als das es dem Film in irgend einer Art und Weise gut getan hätte. Unterm Strich schneidet leider Gottes der Großteil der Neulinge eher bescheiden ab, genauso wie so mancher Dialog und das es bei knapp 2 Std. Laufzeit nicht einmal reicht, diesen ganzen Figuren wenigstens teilweise ein bisschen charakterische Entfaltung einzuräumen ist ebenfalls ärgerlich. Wenn man sich aber vor Augen führt, dass es hierbei um einen Emmerich Film geht, dann sollte bekannt sein, dass gerade dieser Punkt nicht zu seinen Stärken gehört und da zählt auch die extrem vorhersehbare Geschichte dazu. Hier darf allerdings gerne mal ein Auge zugedrückt werden, denn wie wir ja alle wissen, geht es in erster Linie darum, dass erneut die Aliens auf die Erde kommen und die Menschen Ihren Planeten abermals verteidigen müssen. Was will man hier also viel neues erzählen? Hauptsache, es wummst gewaltig.

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Die Fortsetzung kann trotz der genannten Probleme aber auch überzeugen, denn ein Regisseur wie Emmerich kann auf der anderen Seite sehr gut mit Bildern, besonders diesen, die aus dem PC stammen, umgehen und daher werden Zuschauer, die auf Effektgewitter aus sind, so richtig auf ihre Kosten kommen. Zwar übertreibt man es vielleicht an mancher Stelle ein kleines bisschen (eine Szene in London wäre zu erwähnen, die bereits im Trailer vorgekommen ist), dennoch macht das Gezeigte mit der richtigen Einstellung und Erwartungshaltung trotzdem Spaß. Und auch wenn vieles aus dem Computer stammt, wurde bei den Sets und der allg. Aufmachung des Films viel Wert auf Qualität gelegt. Bei der Kameraarbeit gibt es ebenfalls nicht viel zu bemängeln, denn obwohl es zum Teil gerade in den Flugsequenzen recht hektisch zur Sache geht, kann dem Geschehen gut gefolgt werden. Dann hätten wir noch die bereits erwähnten alten Figuren aus dem 1.Teil, die dem Film ganz gut tun, hinterlässt vorallem der durchgeknallte Dr. Brackish Okun einen bleibenden Eindruck. Er schafft es, für einige Lacher zu sorgen, während so manch anderer Schauspieler einige One-Liner heraushaut, die aber nicht alle ins Schwarze treffen. Zu guter Letzt, wäre da mal wieder das ach so tolle 3D und ja auch hier reicht die 2D-Fassung vollkommen aus. Leider wird diese nur in den wenigsten Kinos gezeigt werden.

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FAZIT: Trotz Schwächen in der Charakterzeichnung, dem schwachen Drehbuch und dem typischen Pathos, welcher für Emmerich nichts neues ist, schafft es „Independence Day: Wiederkehr“ auf eine gewisse Weise zu unterhalten. Hier wird in erster Linie viel für das Auge geboten und eine Zerstörungsorgie abgefeuert, die sich mehr als sehen lassen kann und genau das will der Film. Gepaart mit ein bisschen Nostalgie und Humor, sollte es für einen visuell beeindruckenden, actiongeladenen Popcornabend allemal reichen.

In diesen Kategorien hat er besonders gut abgeschnitten:

Effektgewitter:5/5
Action/4/5
Kamera: 4/5
Nostalgiebonus: 3.5/5

Quelle/Filmdaten: http://www.imdb.com/

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