Jurassic World: Das gefallene Königreich – Kritik

Dass den Urzeitgiganten selbst nach 25 Jahren nicht die Luft ausgeht, konnte Jurassic World vor 3 Jahren, unter der Leitung von Colin Trevorrow, abermals unter Beweis stellen, auch wenn Jurassic Park 3 aus dem Jahr 2001 nicht mehr mit dem Vorgänger und schon gar nicht mit Teil 1 von 1993 mithalten konnte. Mit weltweiten Einnahmen von $ 1.67 Mrd. war Jurassic World für Universal Pictures der Kassenschlager hoch zehn, gilt er doch als momentan fünft erfolgreichster Film überhaupt, auch wenn die Meinungen dazu wie immer nicht unterschiedlicher ausfallen konnten.

Nach 3 Jahren Verschnaufpause kehren die Dinos nun aber unter den wachsamen Augen des spanischen Regisseurs J. A. Bayona auf die große Leinwand zurück. Ich war im Vorfeld schon sehr gespannt darauf, was dieser Mann nun aus dem Franchise herausholt. Bisher kenne ich zwar lediglich das Katastrophendrama „The Impossible“ von ihm, doch dieses hat er schon sehr eindrucksvoll und packend inszeniert und die Vorfreude war für Dinofans damit umso größer. Bayona hat vorab schon verlauten lassen, dass man sich diesmal auf einen sehr düsteren, mit Horrorelementen gespickten Film einstellen darf, bei dem die blutige Latte höher ausfallen wird, als bei den bisherigen Filmen. Ob das stimmt?


3 Jahre liegt nun die Zerstörung des beliebten Freizeitparks zurück, und selbst nach dieser Zeit kehrt einfach keine Ruhe ein, denn weiterhin wird heiß darüber diskutiert, was mit den verbliebenen Dinosauriern geschehen soll. Ein auf der Insel aktiver Vulkan befindet sich nämlich kurz vor dem Ausbruch, und dies würde das endgültige oder besser gesagt erneute Aussterben dieser Giganten bedeuten. Das möchte Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) jedoch nicht zulassen, und versucht mit ihrer Organisation zum Schutze der Tiere, alles daran zu setzen, diese schnellstmöglich von Isla Nublar zu schaffen. Der US-Senat hält davon aber nur sehr wenig, genauso wie der Chaostheoretiker Ian Malcolm (Jeff Goldblum) und so weigern die Regierungen sich, diese Aktion umzusetzen. Dennoch schafft es Claire u.a. mit einer Truppe Söldner und ihrem Ex-Freund Owen Grady (Chris Pratt), elf Dino-Arten von der Insel zu holen, doch die geplante Rettungsmission entwickelt sich anders als geplant…

Während es im Vorgänger eine Zeit gedauert hat, bis der Film Fahrt aufnimmt, geht es hier gleich mal mit einer sehr atmosphärisch, beeindruckenden Szene los, bei dem es den Zuschauer förmlich in den Sitz drückt und man sich danach gleich auf die nächste Actionsequenz einstellt, nur schafft man es leider nicht, einen solchen Moment erneut abzuliefern, was ich etwas schade finde. Hier merkt man den Regiewechsel sehr deutlich und das ist alles andere als schlecht gemeint: Ganz im Gegenteil, denn J. A. Bayona schafft es den Film auf ein für sich neues Level zu hieven, nur kann er das nicht kontinuierlich halten. Wie vom Regisseur versprochen, driftet „Das vergessene Königreich“ in eine Art Gruselszenario ab, was besonders in der Lockwood-Villa sehr deutlich wird (die Umgebung ist auch optisch wie geschaffen dafür). Hier punktet der Film auf ganzer Linie, doch dafür kränkelt er an anderer Stelle.

Hat es Jurassic World (2015) noch geschafft, einem öfter einen Gänsehautmoment zu bescheren, schafft es die Fortsetzung zu keiner Minute, was größtenteils einfach am Score von Michael Giacchino liegt, der stellenweise total unpassend gewählt wurde und mich fast komplett kalt gelassen hat. Natürlich merkt man dem Film an, dass er auch eigene Wege beschreiten möchte, was auch vollkommen legitim ist, aber das geht auch anders, denn für mich spielt die Musik/Score eine wichtige Rolle und die hat er nur bedingt erfüllt.  Ähnlich sieht es auch beim Cast aus, denn außer Claire und Owen konnte ich mich für keinen anderen Schauspieler begeistern, schlimmer noch, war vor allem der PC-Guru Franklin (Justice Smith) die totale Lachnummer, schlichtweg einfallslos und nervig zugleich. Zwar hatte auch Daniella Pineda als Zia Rodriguez nicht viele Möglichkeiten zur Entfaltung, doch im näheren Vergleich war sie mir dann doch wesentlich lieber. Das lag vielleicht auch ein Stück weit an ihrer eigentlichen Rolle, um nicht zu viel zu verraten. Auf ein Wiedersehen mit Jeff Goldblum hatte ich mich ebenso gefreut und wurde am Ende doch maßlos enttäuscht, wie kurz sein Auftritt ausgefallen ist, da hatte ich mir wesentlich mehr erhofft.

Was die Plausibilität des Films angeht, sollte man erst gar nicht versuchen, über gewisse Ereignisse o.ä. nachzudenken, denn davon gibt es nämlich so einige. Alleine schon die Tatsache, einen solchen Park auf einer Insel zu errichten, auf dem es einen Vulkan gibt, der jederzeit ausbrechen kann oder das Owen so manche Momente fast unbeschadet übersteht (Stichwort: Vulkanausbruch).

Positiv anzumerken wäre aber auf jeden Fall noch, dass wieder verstärkt Wert auf Animatronics (elektr. Figuren) gelegt wurde, was ich mehr als löblich finde.

Ja, der Film ist alles andere als perfekt, von einem Meisterwerk auch weit entfernt und ob er nun schlechter oder sogar besser ist als der Vorgänger, muss jeder für sich selbst entscheiden. Bei mir würde er etwas schlechter abschneiden,  als Trevorrow´s Jurassic World.

FAZIT: Wer schon Jurassic World toll fand und generell was für diese Tiere übrig hat, der kommt um einen Kinobesuch von Das vergessene Königreich nicht drum herum, alleine schon weil er düsterer und gruseliger ausfällt und einen tollen Look besitzt. Über das Szenario müssen auch nicht viele Worte verloren werden, es ist absolut sehenswert, mal abgesehen von der schwachen Handlung, dem Antagonisten und anderen überflüssigen Nebenfiguren. Auf das große Finale, welches im Sommer 2021 in die Kinos kommt und dem Filmtitel dann endlich gerecht wird, bin ich weiterhin gespannt. Hier wird dann aber wieder Colin Trevorrow das Ruder übernehmen.

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