Rogue One: A Star Wars Story – Kritik

000325_14_SWRO_Hauptplakat_A1_rz.inddStar Wars ist immer wieder ein Phänomen. Dessen ist sich Disney sehr wohl bewusst und möchte nun neben der Hauptsaga einige Spin-Offs, sprich „Anthology-Filme“ in die Kinos bringen, sodass uns von jetzt an jedes Jahr eine Star Wars Geschichte auf den Leinwänden erwartet. Den Anfang der Spin-Offs macht dabei „Rogue One: A Star Wars Story“ und erzählt die Geschichte der Rebellengruppe, die die Pläne des Todessterns stiehlt – fügt sich somit zwischen Episode III und IV in das Universum ein. Im Grunde handelt es sich inhaltlich um die Visualisierung des Scrolling Textes aus Episode IV: Eine neue Hoffnung.

Ob das auch filmisch klappt und das Versprechen eines düsteren Star Wars-Streifens mit Kriegsfilmatmosphäre wirklich gehalten werden kann, erzähl ich euch jetzt in meiner Kritik.

Star Wars zeichnet sich seit Anbeginn vor allem durch eines aus – tolle Bilder. Und auch Rogue One schafft das wieder problemlos. Die Kulissen, die Figuren, die Spezialeffekte – alles sieht so verdammt haptisch aus und man zweifelt keine Sekunde daran, dass das alles wirklich existieren könnte. Es gibt allerdings auch zwei CGI-Figuren, bei denen das bei genauerem Hinschauen nicht zu 100% zutrifft, da hätte der ein oder andere Feinschliff sicher nicht wehgetan. Darüberhinaus ist die 3D-Fassung absolut nicht der Rede wert und dünnt den Geldbeutel nur unnötig aus. Genießt den Film also lieber in 2D, wenn ihr könnt.

Rogue One: A Star Wars Story..Director Krennic (Ben Mendelsohn)..Ph: Jonathan Olley..© 2016 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.

Die Story an sich ist grundsolide – sie hat nicht wirklich Logiklücken, birgt allerdings auch keine Überraschungen. Sie fügt sich überraschend plausibel in die Saga ein und schließt verblüffend präzise die ein oder andere Lücke aus Episode IV. Hier wurden sich richtig Gedanken gemacht. Dabei wird die Geschichte von Hauptdarstellerin Felicity Jones mühelos getragen, denn sie spielt das echt toll, gerade ihre trotzigen oder emotionalen Momente sind richtig überzeugend. Jyns Motivation ist klar zu erkennen und auch die Nebendarsteller wie Forest Withaker, Mads Mikkelsen, Ben Mendelsohn, Diego Luna usw., machen ihren Job ziemlich gut, wir haben es mit überraschend wenig eindimensionalen Charakteren zu tun, was auch einfach daran liegt, dass die Rebellion an sich gar nicht so sehr als das einzig Gute dargestellt wird. Aber Blechbegleiter K-2SO stiehlt wirklich allen die Show. Wären die Rogue One die Guardians of the Galaxy, dann wäre K-2SO Groot. Er ist für Lacher im Saal zuständig, die zwar selten aber unglaublich gut getimed sind. Was man an den Figuren eventuell ein bisschen bemängeln könnte, ist dass sie nur sehr knapp eingeführt werden und man wenig über sie erfährt, was aber auch einfach an der Menge der Charaktere liegt.

Rogue One: A Star Wars Story..Chirrut Imwe (Donnie Yen)..Ph: Jonathan Olley..© 2016 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.

Die größte Frage, die ich mir aber vorab gestellt habe, betrifft die Atmosphäre.. Wie fühlt sich Rogue One an? Man hat dem Fan ja vorher groß versprochen, man wolle dem Film seine eigene düstere Stimmung geben und sogar an Kriegsfilme erinnern. Hat Edwards das geschafft? Jein.

Zwar punktet Regisseur Edwards mit einer etwas konsequenteren Erzählung und auch die Darstellung der Rebellion ist ein großer Pluspunkt. Es ist eben nicht dieses „Juhu, wir sind bei der Rebellion und alles ist toll“, sondern man beleuchtet ein wenig den Aspekt, dass im Krieg auf beiden Seiten unschöne Dinge passieren und passieren müssen. Andererseits ist der Film aber immernoch nicht dreckig genug. Es fliegen immernoch Stormtrooper wie Süßigkeiten auf nem Festumzug durch die Gegend und Gewalt wird hier sehr klein geschrieben, bzw dargestellt. Die Schlachten am Boden und im Weltraum sehen zwar phänomenal aus – an einen Kriegsfilm erinnert das aber trotzdem bei weitem nicht, auch wenn es die Richtung schon grob einschlägt. Zumahl es ja in jedem Star Wars Film schon solche Szenen gab. Das ist irgendwie schade, hat mich allerdings gar nicht so sehr gestört, denn der Film ist tatsächlich genau richtig so wie er ist.

Rogue One: A Star Wars Story..L to R: Cassian Andor (Diego Luna), Jyn Erso (Felicity Jones), and Baze Malbus (Jiang Wen)..Ph: Giles Keyte..© 2016 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.

Vielen wird das so sicher nicht gefallen, denn Rogue One ist ungefähr so sehr ein Kriegsfilm, wie Captain America 2 ein Polit-Thriller ist. Die Ansätze sind da, und sie bereichern den Film, aber sie werden in Grenzen gehalten, um einer gewissen Formel zu entsprechen. Schaut man beispielsweise die MARVEL-Sektion und die beiden neuen Star Wars Ableger, so fällt einem schon eine einheitliche optische und erzählerische Übereinstimmung auf. Man macht Ansätze in verschiedene Richtungen, verlässt das Boot aber niemals ganz und bleibt sich treu. Wie heißt es so schön: Never change a running system!
Ob einem das ge- oder misfällt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Disney hat ein gewinnbringendes Konzept gefunden, dem der Konzern wahrscheinlich auch in naher Zukunft nicht den Rücken kehren wird. Ich persönlich störe mich daran nicht besonders, denn auch Rogue One ist ein absolut gelungener Blockbuster geworden, der richtige Akzente in kleinen Dosierungen setzt, ohne vom großen Star Wars Spektakel abzukommen. Denn selbstverständlich hat auch dieser Teil wieder seine nostalgischen und Herzklopfen-auslösenden Star Wars Momente. Ob sich diese Taktik irgendwann abnutzt, lässt sich nach dem zweiten Disney-Star Wars schlecht beurteilen.

Fazit: Epische und optisch eindrucksvolle Schlachten, ein toller Cast, ein Hauch von Krieg, eine in sich geschlossene konsequente Geschichte und eine tolle Ergänzung zur kompletten Saga.
Gareth Edwards hat hier ein Spektakel auf die Leinwand gebracht, das das Potenzial eines Favoriten innerhalb der Star Wars Filmographie in sich trägt.

Somit eine absolute Empfehlung!

Wertung: 90%

verfasst v. Philipp Burmester

Bildnachweis: © Disney © Disney•Pixar © & ™ Lucasfilm LTD © Marvel. Alle Rechte Vorbehalten

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