Stirb langsam (100%) – Kritik

„Oh, the weather outside is frightful, but the fire is so delightful and since we’ve no place to go… Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow!“ – Für wahre Filmfans gibt es kein Weihnachten ohne Let It Snow. Kein Weihnachten ohne John McClane. „Stirb langsam“, im Englischen „Die Hard“, ist ein Film, den wohl jeder schon einmal gesehen hat, ein Film, über den man gar keine Worte mehr verlieren muss, da er für sich selbst stehen kann. Ihn in einem Review auseinanderzunehmen, würde ihm gar nicht gerecht werden. Alles, was man über Regisseur John McTiernans („Predator“) Meisterwerk von 1988 sagen kann, kommt zwangsläufig einer Liebeserklärung gleich. Und daher ist das Fazit dieses Mal auch gleich an den Anfang gestellt: „Die Hard“ war, ist und bleibt eine der unglaublichsten cineastischen Erfahrungen, die man nur machen kann und unbestritten einer der besten Filme aller Zeiten.

„Now I have a machine gun. Ho ho ho.“ – Natürlich ist „Die Hard“ kein Weihnachtsfilm. Er spielt zwar an Heiligabend, aber im Zentrum des Interesses steht ein brachialer Actionkracher. Obwohl es anfangs gar nicht danach aussieht. Genau genommen beginnt das Abenteuer sogar sehr gemächlich. Wenn man aber bei der zweiten Sichtung merkt, wie viel wichtige Details und Exposition in diese 20 Minuten gepackt werden, merkt man erst, wie genial bereits hier alles auf Hochtouren entwickelt wird. Und wenn das Chaos dann los bricht, gibt es kein Halten mehr. Knackige Faustkämpfe, brutale und ultrablutige Shootouts, ein Polizeieinsatz inklusive Panzerwagen, sogar ein Helikopterabsturz, all das bietet McTiernan und zeigt sich als ein absoluter Meister in der Inszenierung von echter handgemachter Action. Kaum ein anderer Film bietet diesen Reiz am Nervenkitzel, diese erschütternd heftigen Soundeffekte in Kombination mit einer Leinwand, die nie still zu stehen scheint. Man braucht kein Actionfan sein, um „Die Hard“ zu lieben. Wer „Die Hard“ sieht, wird automatisch zum Actionfan. Und das, wo die ganze Handlung eigentlich, bis auf ein paar kurze Szenen mit den umstehenden Polizisten, nur in einem Bürogebäude spielt und auch dort nur in den obersten 5 Etagen.

„I didn’t realize they celebrated Christmas in Japan.“ – Die ganze Aufmachung, die Spannung des Filmes, sie kommt viel eher einem Thriller gleich. Das Szenario, Terroristen, Geiseln und Einzelkämpfer auf engem Raum in engem Raum verspricht Aufregung pur. Hinter jeder Ecke kann die Gefahr lauern, den knallenden Schüssen aus den Maschinengewehren kann man nur schwerlich ausweichen, immer wieder wiederholen sich die gleichen Gänge und Luftschächte. Nie wieder gelang es einem Regisseur, derart perfekt die klaustrophobische Hölle, durch die McClane hier wandelt, spürbar zu machen. Wenn es zu Konfrontationen kommt, wagt man kaum zu atmen, in den kurzen Pausen zwischen den Eskapaden atmet man umso tiefer ein, um für das nächste Spektakel genug Luft zu haben. Das Erlebnis und die Emotionen gleichen durchgehend einer Achterbahnfahrt, aus den Händen tropft der Schweiß irgendwann nur noch so runter. Wenn man sich vorher nicht vorstellen konnte, dass einem ein Film so in seinen Bann ziehen kann, wird man hier eines besseren belehrt. Die Kameraführung von Jan De Bont und der akzentuierte und beinahe elektrisierende Soundtrack Michael Kamens tragen außerdem enorm dazu bei, dass es unmöglich ist, der Sogkraft des langsamen Sterbens zu entfliehen.

„Who’s driving this car, Stevie Wonder?“ – Was kann man noch über „Die Hard“ erzählen? Eigentlich kann man auf jede Einzelheit eingehen, nur um festzustellen, wie makellos sie ist. Am wichtigsten ist aber, dass „Stirb langsam“ in all dem Bombast im Kern eine Geschichte über das Duell zweier faszinierender Personen ist. Auf der einen Seite John McClane, Held wider Willen und ein Zyniker der alten Schule, der eigentlich nur ganz normal mit seiner Frau Weihnachten feiern will. Auf der anderen Seite Hans Gruber, Anführer der Terroristen und kriminelles Mastermind. Diese Konstellation wäre auf dem Papier jedoch nur halb so viel wert, wären die beiden nicht mit Bruce Willis und Alan Rickman besetzt. Ersterer dürfte mittlerweile als der Archetyp des Actionhelden gelten und macht sich die ganze Laufzeit über herrlich dreckig. Man muss es so sagen: Niemand schwitzt, blutet und flucht besser als John McClane. Rickman spielt außerdem einen der wahrscheinlich besten Widersacher des modernen Kinos. „Who said we were terrorists?“, fragt er, als eine Geisel ihre Motive hinterfragt. Genial von den Autoren, ihm diesen Satz in den Mund zu legen, unberechenbarer kann man einen Schurken schließlich nicht machen. Schlagartig sind alle Möglichkeiten offen und jederzeit kann alles passieren. Eine solch vielversprechende Ausgangsposition zu schaffen, dass ist es, was McTiernan kann und weshalb alles danach so fantastisch funktioniert.

FAZIT: „Yippee-ki-yay, motherfucker.“ – In „Die Hard“ scheinen die Ideen nur so aus jeder Szene rauszusprudeln. Reginald VelJohnson als Sgt. Al Powell ist nicht nur ein guter Nebenpart für Willis, um hin und wieder mal in Sprechsituationen zu kommen, sondern hat auch seine ganz eigenen Hintergründe. Ellis, gespielt von Hart Bochner, ist ein nötiger hassenswerter Vollidiot. Und De’voreaux Whites Argyle das komische Element. Wortwitze, blanken Zynismus und derbe Fluche hagelt es sowieso durchgehend und nicht nur in den wundervoll geschriebenen Dialogen zwischen Pro- und Antagonist. Wahrscheinlich ist kein anderer Film so voller zitierenswürdiger Sprüche wie „Stirb langsam“. Wahrscheinlich wartet kein anderer Film in den letzten 30 Minuten mit so vielen Twists auf wie „Stirb langsam“. Und zusätzlich kann es sich wahrscheinlich kein anderer Film erlauben, bei einer so temporeichen und atemlos inszenierten Handlung noch Anspielungen und Referenzen an den klassischen Western einzubauen. McTiernan machte einen Film, der auch heute noch modern und frisch erscheint, der so zeitlos wie hoch aktuell wirkt und das Actiongenre maßgeblich prägte. Ein Film, bei dem nicht nur der Actionfan laut jauchzend aufschreit, wenn McClane seinem Gegner ein „Go fuck yourself, Hans“ an den Kopf wirft. Eben einen Film, ohne den für viele Weihnachten kurioserweise nicht mehr möglich ist. „Oh the weather outside is frightful…“ Let It Snow John! Frohe Weihnachten!

– verfasst v. Michael Hille

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