Jan 14 2016

The Revenant – Der Rückkehrer (95%) – Kritik

Leonardo DiCaprio spielt nicht gerade viele Rollen pro Jahr, aber die wenigen die es gibt, haben es immer in sich. Der Oscar blieb bis jetzt trotzdem aus. Aber wie ist das mit „The Revenant?“ Kann der Film überzeugen und DiCaprio dieses Mal zum Goldjungen verhelfen?

Die Geschichte ist denkbar einfach: Eine Truppe Felljäger streift im frühen 19.Jahrhundert durch die Wälder des Wilden Westens auf der Jagd nach allem, was im Fellgeschäft Geld bringt. Nachdem die Gruppe durch einen Indianerangriff stark geschwächt wurde, müssen sie ihre Felle zurücklassen und fliehen. Als dann bei einem Zwischenstop der Trapper Hugh Glass einer Bärin zum Opfer fällt, muss die Gruppe entscheiden, wie sie mit dem lebensgefährlich verletzten und bewegungsunfähigen Felljäger umgeht, der als Ballast die Gruppe ausbremst. Darauf trennt sich die Gruppe und Glass wird wenig später zurückgelassen, kurz nachdem er die Ermordung seines Sohnes durch den Wilderer John Fitzgerald tatenlos mitansehen musste.
Durch seinen eisernen Willen schafft er es schließlich sich aufzurappeln und begibt sich in einen durch seine Rachesehnsucht angetriebenen Überlebenskampf durch die menschenfeindliche Wildnis.

Es ist ab der ersten Minute deutlich zu sehen, Alejandro G. Inárritu zielt hier ganz klar auf die Academy Awards. Vom Cast, über die Kamera, bis hin zum Aufwand und der Hintergrundgeschichte der Drehprozedur ist alles außergewöhnlich – und außergewöhlich gut. Die Bilder sind atemberaubend und der Film nimmt sich vor allem auch die Zeit diese zu zeigen.

Der Streifen wurde komplett ohne Sets und künstliches Licht gedreht – das macht sich bezahlt. Kaum ein Film ist so schmutzig und ästhethisch zugleich. Nach einer schaurigen Nahaufnahme einer der Wilderer folgt eine Aufnahme der schönen Natur und umgekehrt. Der Kontrast könnte größer nicht sein. Man fühlt diesen Film regelrecht und bildet sich fast schon ein, dass man auch friert, Schmerzen und Hunger hat. In einigen Momenten bleibt einem richtig die Luft weg.

Wenn eine CGI-Szene so echt und damit so brutal und schrecklich wirkt, wie sie für den jeweiligen Filmcharakter wahrscheinlich auch wäre, dass man kaum hinschauen mag, dann hat man so einiges richtig gemacht. Hier ist alles perfekt und irgendwie verdammt echt.

Einen kleinen Haken gibt es dennoch: Und zwar hat man es hier im Eifer des Bildgefechts ein wenig versäumt die emotionale Tiefe zu schaffen, die so eine Rachegeschichte braucht. Jeder Mensch weiß, dass es hart und traurig ist, seinen Sohn zu verlieren und dass der Vergeltungsgedanke absolut nachzuvollziehen ist, aber wir als Zuschauer wollen das nicht nur sehen, sondern auch fühlen, wir möchten das Bedürfnis empfinden, dem Mörder genau so an die Gurgel zu wollen, wie der Betroffene selbst. Das fehlt leider und genau das bröckelt an der vollen Punktzahl. Wirklich schade.

Für den ein oder anderen Goldjungen wird es höchstwahrscheinlich dennoch reichen, für Darsteller, sowie Kamera, als auch für die Regie und das ist gut so. Denn „The Revenant“ ist definitiv ein Streifen, der lange in Erinnerung bleiben wird, der Eindruck hinterlässt – zumindest bei mir.

Und ich würde es Leo gönnen, dass er endlich seinen eigenen Oscar in den Händen hält, sowie selbstverständlich auch dem Rest des Teams. Verdient wäre es allemale!

Wertung: 95%

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